Linda Zervakis: "Raus aus der Komfortzone!"

 

 

Die Botschafterin der BürgerStiftung Hamburg im Interview

Linda Zervakis mit SchülerInnen im Projekt "Step by Step" (Foto: Kirsten Haarmann)

Linda Zervakis ist deutschlandweit bekannt als Sprecherin der "Tagesschau". Nicht ganz so geläufig ist, dass sie sich seit vielen Jahren für die Menschen in ihrer Heimatstadt Hamburg engagiert. Für die BürgerStiftung Hamburg war sie bereits vielfach im Einsatz, etwa als Moderatorin oder als Schirmherrin des Projekts "Step by Step". Künftig wird sie zudem die neugeschaffene Aufgabe als Botschafterin der Gemeinschaftsstiftung übernehmen. Wir haben mit ihr über diese neue Rolle gesprochen.

 

BürgerStiftung Hamburg: Frau Zervakis, was hat Sie dazu bewogen, Ihr Engagement für die BürgerStiftung Hamburg auszuweiten?

Linda Zervakis: Den Ausschlag gab meine Erfahrung als Schirmherrin des Projekts "Step by Step". Was ich dort sah, zeigte mir, wie die von der BürgerStiftung Hamburg geförderte Arbeit wirkt.

Was genau haben Sie beobachtet?

Die Klassen, die hier von Tanzpädagogen und Choreografen angeleitet werden, gelten oft als "schwierig", auch die Pädagogen berichten, dass die Zusammenarbeit manchmal anfangs nicht einfach ist. Ich habe solche Klassen immer wieder besucht und die Veränderungen gesehen. Durch das Tanzen stärken die Kinder und Jugendlichen ihre körperliche Selbstwahrnehmung. Die Schüler und Schülerinnen entwickeln ihren künstlerischen Ausdruck, aber auch ihre Teamfähigkeit und soziale Kompetenz. Sie werden offener und gehen solidarisch miteinander um. Projekte dieser Art beeindrucken mich und ich freue mich, sie künftig noch mehr zu unterstützen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Botschafterin?

Auch wenn ich ab und an denke, ich bin doch nur Linda aus Hamburg-Harburg, ist mir bewusst, dass ich als "Tagesschau"-Sprecherin eine gewisse Prominenz und Reichweite habe. Diese setze ich gern ein, um die Themen der Stiftung noch bekannter zu machen. Und ich möchte zeigen, dass es wichtig ist, sich zu engagieren. Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, vorm Fernseher zu sitzen und zu meckern. Wenn ich Menschen dazu bewegen kann, sich aktiv einzubringen, wäre ich schon sehr froh.

 

Wenn Sie auf Ihre eigene Biografie schauen – was ist für Sie der wichtigste Hebel, um Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche zu verbessern?

Meine Eltern sind in den Sechzigerjahren ohne jegliche Ausbildung als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Ihnen war von Anfang an klar, dass wir, also ihre Kinder, nur durch Bildung die Chance auf ein besseres Leben haben würden. Deshalb waren sie sehr hinterher, dass wir gut in der Schule sind. Dafür bin ich ihnen unglaublich dankbar. Generell sollte Bildung für Kinder und Jugendliche ein höherer Stellenwert zukommen.



Was bedeutet zivilgesellschaftliches Engagement für Sie?

Sich aus der Komfortzone herausbewegen! Das fängt im Alltag an. Genau dann, wenn man denkt: "Das können doch auch die anderen machen", sollte man den Hintern hochkriegen. "Schön, wenn die anderen auch mitmachen, aber ich bin schon mal dabei!"

 

Welche sind Ihrer Meinung nach die größten sozialen Herausforderungen in der Stadt?

Ich denke, ein wichtiges Thema ist der knappe und zunehmend unbezahlbare Wohnraum. Und wir müssen in unserer sehr wohlhabenden Stadt darauf achten, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter öffnet. Für das Zusammenleben in einer Stadt erscheint mir das unabdingbar.


Was ist für Sie das Besondere an der Stadt Hamburg und an ihren Bürgern?

Ich mag die leicht unterkühlte Freundlichkeit der Hamburger, man muss ja auch nicht gleich jedem um den Hals fallen. Hamburg ist für mich eine weltoffene Stadt, modern aber mit Tradition.

Linda Zervakis
Linda Zervakis auf der Bühne bei der Benefizveranstaltung 2016 (Foto: Kirsten Haarmann)

Lesetipp:

Noch mehr über Linda Zervakis lesen Sie in ihrem autobiografischen Buch "Königin der bunten Tüte" (Rowohlt Verlag). Darin schreibt sie warmherzig über ihr Leben und Aufwachsen in Hamburg-Harburg, wo ihre Eltern einen Kiosk hatten.


Interview: Michèle Rothenberg